Medienbildung an Schulen braucht eine gute IT-Wissensgrundlage

Veröffentlicht am 11.05.2016 in Anträge
Beschluss des Juso Kreisverbandes Esslingen bei der Mitgliederversammlung am 10.05.16

Antrag zur Juso Landesdelegiertenkonferenz am 25. und 26. Juni 2016 in Tübingen

Adressat: Juso-Landesdelegiertenkonferenz, SPD Landesparteitag, SPD Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg

Medienbildung an Schulen braucht eine gute IT-Wissensgrundlage

Die Jusos Baden-Württemberg fordern, die digitale Grundbildung noch stärker in den Schulen im Land zu verankern. Wir begrüßen, dass mit dem neuen Bildungsplan ab dem Schuljahr 2016/2017 die Medienbildung grundsätzlich als eine Leitperspektive verankert und in allen Schularten mit einem entsprechenden Basiskurs in Klasse fünf unterlegt werden wird. So sollen mindestens folgende Kompetenzen abgedeckt werden.  

  • Computerkompetenz: Bedienung eines Computers, Basiswissen über Computer, Standardanwendungen wie Word, Excel oder Power Point. Nutzung des Internets wie zum Beispiel für Recherchearbeiten.
  • Rechnerarchitektur: Bestandteile der Hardware, grundlegende Funktionen und Basiskenntnisse zum Betriebssystem. Die Schülerinnen und Schüler sollen in Grundzügen lernen, wie ein PC überhaupt aufgebaut ist und wie ein solches System funktioniert.
  • Netzwerktechnologie: Bestandteile und Funktionsweisen eines Kommunikationsnetzwerkes. Die Schülerinnen und Schüler sollen in Grundzügen lernen, wie Netzwerke aufgebaut sind und wie die globale Kommunikation im Internet funktioniert.
  • Was ist eigentlich Informatik? In diesem Teil soll geklärt werden was unter dem Begriff und Umfeld Informatik überhaupt verstanden werden kann und welche Einflüsse die Informatik in der heutigen Welt hat. So sollen zum Beispiel unterschiedliche Bereiche mit Informatik-Einfluss (z.B. Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, Medizinische Informatik, Angewandte Informatik) vorgestellt werden. Hier wären auch Unternehmensausflüge oder ein Besuch in einem Rechenzentrum denkbar.
  • Programmierung: Schülerinnen und Schülern sollen weitergehende Kenntnisse vermittelt werden, wie ein Computeralgorithmus funktioniert und woraus er aufgebaut ist. Hierbei kann auf unterschiedliche Programmiermethoden wie Prozeduale Programmierung oder Objektorientierte Programmierung eingegangen werden.
  • Medienkkompetenz: Hier sollen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit sozialen Medien geschult werden. So muss auch auf die Konsequenzen und Auswirkungen der Social Media Nutzung eingegangen werden. Es soll eine Sensibilisierung der Nutzung stattfinden.

Der geplante knappe Umfang von insgesamt 35 Kursstunden muss dementsprechend erweitert werden.

 

Begründung:

Der Bildungsplan definiert als Kompetenzbereiche wichtige Aspekte digitaler Bildung wie den richtigen Umgang mit Browsern und Suchmaschinen, eine Sensibilisierung für Qualitätskriterien im Informationsangebot, das Kennenlernen einer digitalen Netiquette und den kritischen Umgang bei Fragen der Datensicherheit bzw. der Gefahr unreflektierter Mediennutzung[1]. Ohne die Vermittlung grundlegender Kenntnisse über den Aufbau und die Funktionsweise von Rechnern und Netzwerken bleiben diese Schwerpunkte aber Stückwerk. Es fehlt die Grundlage, um die Logik der digitalen Kommunikation zu verstehen und das eigene Handeln entsprechend einzuordnen. Bedauerlicherweise befasst sich der vorgesehene Kompetenzbereich „Grundlagen digitaler Medienarbeit“ hauptsächlich mit den zentralen Funktionen von weitverbreiteten Programmen wie Word oder PowerPoint. Abgesehen von der Tatsache, dass damit die Monopolstellung eines kommerziellen Anbieters gestärkt wird, greift das leider zu kurz. Eine Ergänzung des Bildungsplanes um oben genannte Punkte ist daher unbedingt notwendig, um künftigen Generationen wirklich das nötige Rüstzeug für die digitale Welt mitzugeben. Ohne das entsprechende Hintergrundwissen ist es kaum verwunderlich, dass Fragen der Datensicherheit oder Kontroversen wie der NSA-Skandal kaum die gesellschaftliche Wahrnehmung erfahren, die diesen Problemstellungen eigentlich zukommen müsste.

Zusätzlich entscheiden immer noch nur wenige Schulabgänger für eine berufliche Ausbildung oder Studium in der Informatikbranche. In Zukunft wird der Bedarf an Informatikern weiter steigen, da Themen wie Industrie 4.0, Big Data, Automatisierung oder ander Innovationen den Markt treiben. Informatik hat einen Einfluss auf alle Branchen und für den großen Bedarf gibt es immernoch einen Mangel an Fachkräften. Durch eine frühzeitige Heranführung an das Thema, soll es Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden den Beruf eines Informatikers auch in seiner Vielseitigkeit besser einzuschätzen und sich dadurch für diese Berufswahl zu entscheiden. Auch Schülerinnen sollen verstärkt gefördert werden einen Beruf als Informatiker zu wählen.